Religionen für Gemeinsamkeit in Österreich
Treffen von Vertretern aller in Österreich anerkannten Kirchen und
Religionsgemeinschaften mit Bundeskanzler Faymann
Wien, 09.06.2009 (KAP) Die in Österreich staatlich anerkannten
Kirchen und Religionsgemeinschaften wollen sich in Zukunft vermehrt
für eine solidarische und integrative Gesellschaft einsetzen. Das
ist das Ergebnis eines Treffens von Vertretern aller 14 anerkannten
Kirchen und Religionsgemeinschaften mit Bundeskanzler Werner Faymann
am Dienstag in Wien. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sei
das Verständnis füreinander wichtiger als die Gegensätze, betonte
Faymann nach dem rund einstündigen Gespräch vor Journalisten. Er
dankte den Religionsvertretern für ihre Bereitschaft, die Gemeinsamkeiten
in Österreich zu stärken und kündigte für den Herbst ein weiteres Treffen an.
"Es geht um die Stärkung der Gemeinsamkeit sowohl in der Jugend wie
in anderen gesellschaftlichen Bereichen", sagte Kardinal Christoph
Schönborn nach dem Treffen. Der Wiener Erzbischof wertete die
Begegnung, bei der man auch konkrete Initiativen besprochen habe,
die nun intern weiter beraten werden sollen, als einen "ersten guten
Schritt".
Mit dem Treffen zwischen dem Bundeskanzler und den Religionsvertretern
werde nun auch in Österreich der kontinuierliche Dialog der politisch
Verantwortlichen mit den Religionsgemeinschaften realisiert, freute sich
der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker: "Es geht um die Frage,
was Kirchen und Religionsgemeinschaften beitragen können für eine integrative
Gesellschaft, die auch in wirtschaftlich nicht einfachen Zeiten die Solidarität
stärkt gegenüber dem Auseinanderdriften und gegenseitigen Aufhetzen".
Die Religionsvertreter seien allesamt davon überzeugt, dass in der
Vielfalt Bereicherung liege, sagte Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg
nach dem Treffen. Die Religionen wollten ihren "geringen, aber nicht
ganz unwichtigen Einfluss" einbringen. "Ein gutes Wort kann viel für
die Förderung der Demokratie und des österreichischen Staates
bewirken", meinte der Oberrabbiner.
Termin schon länger geplant
An dem Treffen nahmen u.a. auch der rumänisch-orthodoxe
Bischofsvikar Nicolae Dura (in Vertretung von Metropolit Michael
Staikos), der armenisch-apostolische Erzbischof Mesrob Krikorian,
der syrisch-orthodoxe Chorbischof Emanuel Aydin, der koptische
Bischof Mar Gabriel sowie der altkatholische Bischof John Okoro teil.
Kein Thema bei der Sitzung war dem Vernehmen nach der EU-Wahlkampf.
Der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGiÖ), Anas
Schakfeh, hatte sich allerdings unmittelbar vor dem Beginn der
Sitzung in Interviews auch eine Stellungnahme der anderen
Religionsvertreter zur "inakzeptablen Sprache" im abgelaufenen
EU-Wahlkampf gewünscht. Politiker hätten in den vergangenen Wochen
"den herrschenden Religionsfrieden in Österreich riskiert", um
"einige Prozentsätze an Stimmen zu gewinnen".