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Kirche setzt Zeichen gegen Menschenhandel

 


Wien (KAP, 28.10.09) Die Österreichische Bischofskonferenz hat bei ihrer Frühjahrskonferenz 2009 einen „Runden Tisch“ zum Thema "Menschenhandel" eingesetzt. „Die Ausmaße dieses Verbrechens fordere ein stärkeres Engagement der Kirchen.“ Dies betonte der Vorsitzende des „Runden Tisches“, der Wiener Weihbischof Franz Scharl bei der Auftaktveranstaltung der Initiative in Wien. Er verwies auf Papst Benedikt XVI., der den Menschenhandel als eine der schlimmsten Begleiterscheinungen der Globalisierung und wörtlich als "Schande unserer Zeit" bezeichnet hatte.


 

2,7 Millionen Menschen werden laut Schätzungen pro Jahr weltweit Opfer von Schlepperbanden. 80 Prozent davon sind Frauen, 50 Prozent minderjährig. Der jährliche weltweite Umsatz liegt bei 32 Milliarden US-Dollar. Allein in Europa befinden sich 500.000 Frauen und Mädchen in den Händen von Menschenhändlern. In Wien, so schätzt die OSZE, sind rund 50 bis 70 Prozent der Prostituierten Opfer von Menschenhandel.


 

Weihbischof Scharl erläuterte die Ziele des „Runden Tisches“: Man wolle über die Dimension des Menschenhandels im österreichischen Kontext informieren und für dieses Problem sensibilisieren. Zudem sollen kirchliche Einrichtungen und Gemeinschaften ermutigt werden, konkrete Ausstiegshilfen zu schaffen und den Betroffenen beizustehen. Schließlich wolle man sich gemeinsam mit staatlichen Einrichtungen und Nichtregierungsorganisationen für eine Verbesserung der rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen in Österreich einsetzen.


 

Am Runden Tisch sind die Arbeitsgemeinschaft Afro-Asiatischer Gemeinden, Caritas Österreich, das Forum Beziehung, Ehe und Familie der Katholischen Aktion Österreich, die Fremdsprachige Seelsorge, die Österreichische Kommission Iustitia et Pax sowie die Frauenorden der Salvatorianerinnen und der Schwestern vom Guten Hirten beteiligt.


 

 

„Wien ein Paradies für Menschenhändler“


 

In Wien sei Prostitution eine der wenigen legalen Arbeitsmöglichkeiten für Asylwerberinnen, kritisierte die gebürtige Nigerianerin Joana Adesuwa Reiterer bei der Auftaktveranstaltung des Runden Tisches. Sie gründete 2006 den Verein "Exit" und bemüht sich seither um Aufklärungsarbeit in Österreich und in Nigeria. "Wien ist ein Paradies für Menschenhändler", so Reiterer wörtlich.


 

Auch die aus dem Sudan stammende Ishraga M. Hamid, die in der Interventionsstelle für Betroffene von Frauenhandel (IBF/LEFÖ) arbeitet, forderte mehr Aufklärungsarbeit. Hamid kritisierte die derzeitige österreichische Rechtslage, wonach Opfer von Frauenhandel nur dann eine Aufenthaltsbewilligung erhalten würden, wenn sie gegen die Schlepper aussagten. Diese Bestimmung müsse dringend geändert werden.


 

In Italien sei das möglich, so die italienische Ordensschwester Eugenia Bonetti, die sich im Auftrag der Konferenz der italienischen Frauenorden gemeinsam mit weiteren 250 Schwestern aus 70 verschiedenen Kongregationen für die Frauen einsetzt, sie von der Straße holt und ihnen Unterkunftsmöglichkeiten bietet. Die Ordensfrau wies alle Stimmen vehement zurück, wonach sich Frauen freiwillig Schlepperbanden anböten und den Weg in die Prostitution beschritten.


 

Klare Forderungen formulieren die Podiumsteilnehmerinnen an die Kirchen, diese sollten Multiplikatoren im Kampf gegen den Menschenhandel sein. Menschenhandel dürfe nicht weiter als Tabuthema behandelt werden. Sr. Bonetti fasste die Herausforderung in "Bewahren und Integrieren" zusammen: "Bewahren durch Aufklärung und Integrieren durch Opferschutz und Weiterbildung für Betroffene".


 

Trotz der vielen Schicksale von Frauen, die von Menschenhandel betroffen sind, stellte Sr. Bonetti am Schluss des Podiumsgesprächs fest: "Wir konzentrieren uns auf Frauen, dabei wird es höchste Zeit uns den Männern zuzuwenden. Menschenhandel ist ein Problem der Männer".


 

 

Weiterführende Informationen zum Thema finden Sie auf den Websites der Österreichischen Kommission Iustitia et Pax: (www.iupax.at)



Generalsekretariat der Österreichischen Bischofskonferenz
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E-Mail: sekretariat@bischofskonferenz.at