Györ: Österreichs Bischöfe im Austausch mit ungarischen Amtskollegen
Österreichs Bischöfe haben ihren Kontakt zur Ungarischen Bischofskonferenz verstärkt. Zum Beginn der viertägigen Frühjahrsvollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz hat am Montagnachmittag ein Treffen mit dem Vorsitzenden der Ungarischen Bischofskonferenz, Bischof András Veres, in Györ (Raab) stattgefunden. Der Austausch mit dem ungarischen Episkopatsvorsitzenden in dessen Bischofsstadt bildete den Auftakt für die dieswöchigen Beratungen der österreichischen Bischöfe. Sie finden unter dem Vorsitz von Erzbischof Franz Lackner bis Donnerstag erstmals in der ungarischen Benediktiner-Erzabtei Pannonhalma statt, wo die Bischöfe am Montagabend eingetroffen sind.
Themen des Gesprächs mit dem Vorsitzenden der Ungarischen Bischofskonferenz betrafen die kirchliche Situation und das Verhältnis zwischen Staat und Kirche, berichtete Erzbischof Lackner nach der Begegnung gegenüber Kathpress. Besprochen worden seien Fragen rund um die ökumenische Situation, den Religionsunterricht und die Kirchenfinanzierung, die in Ungarn hauptsächlich auf Spenden und staatlichen Zuschüssen basiert.
Wie in Österreich sei auch die Kirche in Ungarn mit Rückgängen bei der Zahl der Katholiken, aber auch der Priester und Ordensleute konfrontiert. Zu den Schwerpunkten der seelsorglichen Arbeit in Ungarn zähle die Förderung von Familien und deren Glaubensleben. Thema der Besprechung der Bischöfe war auch der weltweite Synodale Prozess in der katholischen Kirche. In diesem Zusammenhang berichtete Bischof Veres, dass in seiner Diözese Györ noch bis September ein Diözesankonzil läuft mit rund 200 Teilnehmenden und insgesamt 16 Themenbereichen.
Zur Sprache kam auch das karitative Engagement, etwa im Blick auf die Betreuung von Flüchtlingen aus der Ukraine. Am Ende der Begegnung, die am Amtssitz des Bischofs von Györ stattfand, bekräftigten die Bischöfe aus den beiden Nachbarländern unisono die Notwendigkeit von grenzüberschreitenden kirchlichen Initiativen.
Treffen zwischen ungarischen und österreichischen Bischöfen auf Ebene der Bischofskonferenzen hat es bereits im Zuge des Mitteleuropäischen Katholikentags (2003/04) gegeben. In der Folge fand 2006 in Mariazell erstmals eine gemeinsame Tagung der beiden Bischofskonferenzen statt. 2008 folgte der Gegenbesuch des österreichischen Episkopats im ungarischen Esztergom.
Ohne Schönborn, mit Grünwidl und Freitag
Die aktuelle Frühjahrsvollversammlung der österreichischen Bischöfe erfolgt in geänderter personeller Zusammensetzung: Erstmals seit seiner Emeritierung als Wiener Erzbischof nimmt Kardinal Christoph Schönborn (80) nicht an einer Vollversammlung teil. Schönborn gehörte der Bischofskonferenz seit 1991 an und war in den vergangenen Jahrzehnten bei exakt 98 Vollversammlungen dabei. Neu im Kreis der Bischofskonferenz sind in Pannonhalma der Apostolische Administrator der Erzdiözese Wien, Josef Grünwidl, sowie der ernannte Grazer Weihbischof Johannes Freitag.
In den Beratungen der Bischöfe geht es unter anderem um die Weiterarbeit am Synodalen Prozess. Am Wochenende hatte der Vatikan dazu nähere Informationen bekannt gegeben. So soll am Ende des weltweiten Prozesses im Oktober 2028 eine "Kirchliche Versammlung" im Vatikan stattfinden. Ein Fixpunkt der Bischöfe ist auch der Austausch über die aktuelle gesellschaftliche und kirchliche Situation, insbesondere nach der Regierungsbildung.
Liturgischer Höhepunkt der Vollversammlung ist eine feierliche Messe zum Hochfest des hl. Josef am Mittwoch, 19. März, um 18 Uhr, in der Klosterkirche der Erzabtei Pannonhalma. Der Gurker Diözesanbischof Josef Marketz wird der Eucharistiefeier vorstehen und auch predigen.
Über die Ergebnisse der Vollversammlung der Bischofskonferenz wird Erzbischof Lackner im Rahmen einer Pressekonferenz informieren. Sie findet in Wien am Freitag, 21. März, um 10 Uhr im "Club Stephansplatz 4" (1010 Wien, Stephansplatz 4) statt.
Erzabtei mit 1.000-jähriger Geschichte
Die mehr als 1.000 Jahre alte und nach dem Heiligen Martin von Tours (316-397) benannte Erzabtei Pannonhalma ist ein zentraler Ort des kirchlichen und geistlichen Lebens in Ungarn. Seit 1996 zählt das Kloster auf dem Martinsberg südlich von Györ auch zum Unesco-Weltkulturerbe. Zuletzt feierten die Benediktiner 2024 ein Gedenkjahr zum 800-jährigen Bestehen der Abteikirche des Klosters mit zahlreichen Festveranstaltungen bei denen gesellschaftlicher Zusammenhalt, Gemeinschaft, Kultur und Dialog im Zentrum standen.
Cirill Hortobágyi (66) ist seit 2018 der 87. Abt der im Jahr 996 gegründeten Abtei, zugleich Ordinarius der Gebietsabtei Pannonhalma und in seiner Funktion auch Mitglied der Ungarischen Bischofskonferenz. Die Klostergemeinschaft umfasst rund 40 Mönche. Sie ist Trägerin eines Gymnasiums, zur Abtei gehören zudem seit eh und je auch mehrere Wirtschafts- und Produktionsstätten. Jahr für Jahr ist Pannonhalma Ziel zahlreicher Pilger und Touristen. Die Erzabtei ist auch Mitglied der Vereinigung "Klösterreich". Mit etwa 300.000 Bänden, darunter wertvolle Handschriften und alte Drucke, gibt es auf dem Martinsberg eine der größten Benediktinerbibliotheken weltweit.
Die Abtei gilt auch als bedeutender Ort für den ökumenischen Dialog der christlichen Kirchen. 1996 besuchte Papst Johannes Paul II. (1978-2005) persönlich die Benediktiner von Pannonhalma und rief sie dazu auf, eine Vermittlerrolle zwischen der westlichen und östlichen Christenheit einzunehmen. In den vergangenen Jahrzehnten waren in Pannonhalma unter anderem der orthodoxe Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., der frühere Moskauer Patriarch Aleksij II. (1919-2008) oder auch der damalige koptische Papst-Patriarch Schenuda III. (1923-2012) zu Gast.
Kirche in Ungarn
Laut jüngster Volkszählung 2022 zählt Ungarn rund 9,6 Millionen Einwohner. Rund zwei Drittel von ihnen sind katholisch getauft, und bei einer Eurobarometer-Umfrage 2019 bezeichneten sich rund 60 Prozent als katholisch. Zur Volkszählung 2022 identifizierten sich 2,89 Mio. (30 Prozent) Ungarn als Katholiken, wobei mehr als 40 Prozent der Befragten die Möglichkeit nutzten, die Frage zur Religionszugehörigkeit nicht zu beantworten.
In der katholischen Kirche in Ungarn gibt es nach einer 1993 erfolgten Neugestaltung der Strukturen 13 römisch-katholische Diözesen, 4 davon sind Erzdiözesen; 2015 errichtete Papst Franziskus zudem eine Metropolie (Erzdiözese) und zwei Eparchien (Diözesen) für die mehr als 260.000 Katholiken des byzantinischen Ritus.
Der katholische Erzbischof von Esztergom-Budapest, derzeit Kardinal Péter Erdö (72), ist zugleich Primas von Ungarn. Vorsitzender der 22 Mitglieder umfassenden Bischofskonferenz ist seit 2015 Diözesanbischof András Veres (65) von Györ (Raab). Oberhaupt der katholischen Ostkirche in Ungarn ist der griechisch-katholische Erzbischof Peter Fülöp Kocsis (62).
Quelle: kathpress (18.03.2025)